24. August 2022

AOK warnt: Hohes Burnout-Risiko bei Pflegefachpersonen

Psychische Erkrankungen im Zusammenhang mit Burnout traten 2021 in Pflegeberufen fast doppelt so häufig auf wie in allen anderen Berufsgruppen. Seit 2012 ist deren Anteil um mehr als 15 Prozent gestiegen. „Seit Jahren zeigen Analysen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), dass psychische und psychosomatische Erkrankungen beim Pflegepersonal zunehmen“, so der AOK-Bundesverband.

Burnout in der Pflege ist auch keine Frage des Geschlechts oder Alters. Das Burnout-Risiko steigt zwar mit zunehmenden Alter, ist aber auch bei den unter 30-Jährigen schon vergleichsweise hoch. Das ergab eine aktuelle Auswertung der Arbeitsunfähigkeitsdaten von 682.000 AOK-versicherten Beschäftigten in Pflegeberufen. „Dies unterstreicht, dass die Arbeitsbedingungen in der Pflege nachhaltig verbessert werden müssen“, so Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes.

„Diese Entwicklung bereitet uns große Sorgen. Deshalb müssen wir den mit der ‚Konzertierten Aktion Pflege‘ begonnenen Prozess unbedingt fortsetzen und gemeinsam mit allen Akteuren aus der Pflege wichtige Weichen stellen, die die Rolle der Pflegeberufe und ihre Attraktivität stärken sowie Arbeitsbedingungen in der Pflege nachhaltig verbessern“, fordert Reimann.

Die Anforderungen in der Pflege sind in den vergangenen Jahren komplexer geworden. Wegen höherer Lebenserwartung gibt es immer mehr demenzkranke und multimorbide Menschen, die viel Zuwendung brauchen und deren Pflege viel Fachwissen, aber auch Zeit erfordert. Gleichzeitig wird es für Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser zunehmend schwer, qualifiziertes Personal zu finden.

Zahlreiche Stellen bleiben unbesetzt. Das bedeutet, dass weniger Pflegefachpersonen mehr Aufgaben bewältigen müssen. Wegen hoher Arbeitsdichte können sie sich nicht so intensiv um die Menschen kümmern, wie sie es möchten und gehen oft mit einem unguten Gefühl nach Hause. Personalknappheit hat zum Beispiel zur Folge, dass Dienstpläne weniger belastbar sind und Mitarbeitende öfter aus der Freizeit zum Dienst geholt werden. „Diese Mehrbelastungen führen dazu, dass zahlreiche professionell Pflegende dem täglichen Druck nicht mehr standhalten können, krank werden und ausfallen“, so Reimann.

Der AOK verweist auf eigene Initiativen wie „Pflege.Kräfte.Stärken“ zur Stärkung von Resilienz, zum Stressmanagement, zur gesunden Gestaltung von Schichtdiensten oder Führungskultur. So können Pflegende beispielsweise mit dem digitalen Gesundheitstraining zur Resilienz „RESIST“ ihre individuelle psychische Widerstandskraft stärken.

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