6. Januar 2022

COPD – chronic obstructive pulmonary disease

von Malin von Lingelsheim

Die ersten Charakteristika der COPD-Erkrankung wurden schon vor 400 Jahren entdeckt. Seitdem unterliegt die Definition einem steten Wandel. 1965 prägte der amerikanische Arzt William Briscoe den Begriff COPD.

Meist liegt der Erkrankung eine chronische Entzündung der Bronchien zugrunde, die auch mit verengten Atemwegen einhergehen kann. Ein möglicher weiterer Faktor ist das sogenannte Lungenemphysem, bei dem es zu einer Überblähung der Lunge kommt. Ursache ist hierbei die Zerstörung der Alveolen (Lungenbläschen), wodurch es durch die Verringerung der Fläche für den Gasaustausch zu Schwierigkeiten beim Atmungsvorgang kommt. Bei einer COPD treffen entzündete verengte Bronchien und ein Emphysem zusammen, sodass sich die Folgen gegenseitig verstärken.

Laut der Weltgesundheitsorganisation ist COPD weltweit die dritthäufigste Todesursache und steht an sechster Stelle innerhalb Deutschlands.

Ursachen

Schätzungsweise sind 80-90 Prozent der COPD-Erkrankungen durch Tabakrauchen verursacht. Bis zu 50 Prozent der älteren Raucher:innen entwickeln im Laufe ihres Lebens diese Lungenkrankheit. Grund dafür sind Schadstoffe wie Tabakrauch, Staub und Gase, die die Atemwege schädigen und zu einer dauerhaften Entzündung der Bronchien führen.

Durch die chronische Bronchitis wiederum werden die Flimmerhärchen (Zilien) zerstört, die für die Reinigung der Lunge wichtig sind. Schadstoffe und Krankheitskeime bleiben an dem feinen Schleimfilm der Flimmerhärchen kleben, was bei einer chronischen Bronchitis dann nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert. Der Schleim wird nicht mehr abtransportiert und verstopft die Bronchien.

Weitere Faktoren, die ursächlich sein können, sind:

  • Berufliche Belastung durch Chemikalien
  • Aussetzung hoher Staubkonzentrationen
  • Umweltverschmutzung
  • Akute Erkrankungen (z.B. virale Lungenentzündung)
  • Gesteigerte Nitritaufnahme (z.B. durch gepökeltes Fleisch).

Symptome

  • AHA-Symptomatik (Atemnot, Husten, Auswurf)
  • Husten mit Auswurf (vor allem morgens)
  • Kurzatmigkeit unter Belastung (Belastungsdyspnoe), im weiteren Verlauf auch Atemnot ohne körperliche Anstrengungen mit erschwerter Ausatmung
  • Durch Atemnot und den dadurch resultierenden Mangel an Sauerstoff im Blut kommt es zur Blaufärbung der Extremitäten (Zyanose).
  • Im Endstadium der Krankheit kommt es zu schweren Schädigungen im Herz-Kreislauf-System.
  • Sekundäre Erkrankungen können auch Depressionen, Blutarmut, Muskelabbau und Gewichtsverlust sein.

Diagnose

Der erste Schritt ist ein Besuch beim Hausarzt, der eine ausführliche Anamnese durchführt. Leider ist COPD in den ersten Stadien oft unauffällig und schwer zu diagnostizieren. Daher empfiehlt es sich, bei Verdacht einen Termin für den Lungenfunktionstest (Spirometrie) zu machen. Dieser deckt COPD sehr sicher auf und hilft, den Schweregrad diagnostisch zu bestimmen.

Weitere sinnvolle Untersuchungen wären eine Blutgasanalyse, bildgebende Methoden, wie EKG, Röntgen und CT sowie die Untersuchung des Auswurfs und ein Allergietest.

Behandlung

Die primären Ziele der COPD-Therapie sind, das Fortschreiten der Krankheit zu vermindern, das körperliche Wohlbefinden des Patienten zu verbessern und eine möglichst gute Lebensqualität zu erhalten. Dafür ist für Raucher der wichtigste Schritt mit dem Rauchen aufzuhören.

Generell ist es unerlässlich, den richtigen Umgang mit Atemnotattacken zu lernen. Das gibt den Erkrankten Sicherheit in dieser Notfallsituation.

Medikamentös unterscheidet man kurzwirksame und langwirksame Medikamente, sogenannte Bronchodilatatoren, die verengte Bronchien erweitern und die Schleimhautschwellungen verringern. Die gängigsten Bronchodilatatoren sind die Betamimetika und die Anticholinergika, die durch ihre unterschiedliche Wirkungsweise auch für eine bessere Wirkung kombiniert werden können. Bei häufigen akuten Krankheitsschüben werden bei höheren Schweregraden auch inhalierbares Cortison und Roflumilast eingesetzt.

Als letzte Option gibt es die Möglichkeit der Lungentransplantation, die jedoch aufgrund mangelnder Organspenden häufig nicht zur Anwendung kommt.

Psychosoziale Aspekte

An einer unheilbaren chronischen Erkrankung zu leiden, ist ein Schock, der erst einmal verarbeitet werden muss. Bei COPD kommt häufig noch die Angst vor akuter Atemnot dazu. Die Betroffenen sind bei vorangeschrittener Krankheit oftmals eingeschränkt bei körperlichen Aktivitäten und isolieren sich von Angehörigen und Freunden – auch aus Angst, unterwegs keine Luft mehr zu bekommen.

Wenn sich aus der Angst Panikattacken und Depressionen entwickeln, sollten sich die Erkrankten Hilfe bei Selbsthilfegruppen und psychologischen Berater:innen suchen.

Pflege von COPD–Patient:innen

Generell ist es wichtig, den erkrankten Menschen beim angemessenen Selbstmanagement mit seiner Erkrankung zu schulen und zu unterstützen.

Diese zentralen Schwerpunkte bei der Pflege von COPD sollten beachtet werden:

  • Bewertung und Überwachung der Krankheit, damit Exazerbationen frühestmöglich erkannt werden
  • Reduktion der Risikofaktoren, allen voran der Tabakentwöhnung
  • Medikamenten-, Dyspnoe- und Impfmanagement (Influenza-, Pneumokokken- und Covid-19-Impfungen)
  • Pneumonieprophylaxe
  • Atemübungen (Lippenbremse, Kutschersitz, Torwartstellung).

Dieser Artikel ist zuerst in der Praxisbeilage der Zeitschrift Häusliche Pflege erschienen. Alle Infos zur Zeitschrift unter: www.haeusliche-pflege.de

Malin von Lingelsheim

Malin von Lingelsheim

Freie Autorin für die Seifert&Trauernicht GbR

Aufmacherfoto: Adobe Stock / DOC RABE Media

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