20. Oktober 2021

KAI Spezial 2021 – Praxis trifft sich in Berlin

Marc Bennerscheidt startete den Kongress mit einem Live-Coaching.

Der KAI ist zurück – wenn auch in einer kleineren Fassung, als es alle Anwesenden gewohnt waren. Im Berliner nhow-Hotel trafen sich am 7. und 8. Oktober die Experten aus der außerklinischen Intensivpflege für zwei Tage fachlichen Input und um sich endlich wieder zu sehen. Marc Bennerscheidt, Coach im Gesundheits- und Pflegebereich, leitete mit einem Live-Coaching in die Veranstaltung ein. Der Umgang mit Stress und Konflikten hat besonders angesichts der vergangenen anderthalb Jahre Relevanz, Bennerscheidt berichtete außerdem von seiner Arbeit mit von der Flutkatastrophe betroffenen Menschen. Die Teilnehmenden bekamen konkrete Hilfestellungen an die Hand, die in der Bewältigung komplizierter und belastender Situationen im Pflegealltag helfen sollen.

Quarantäne, Hygiene & Testpflicht – Rückblick auf die Covid-Pandemie

Arbeitsrechtler Peter Sausen spricht über die neue Tariflohnpflicht in der Pflege.

Die Pandemie sollte im Laufe des ersten Kongresstages weiter Thema bleiben. Annette Geißler (im Bild oben), Hygienebeauftragte bei der Linimed Gruppe, analysierte anschließend, was die außerklinische Intensivpflege aus der Pandemie lernen kann. Nachdem viele Hygiene-Regeln quasi über Nacht außer Kraft gesetzt schienen, sei der Pflegealltag diesbezüglich mehr oder weniger wieder im Normalzustand. Aber, „das Gesetz zur pandemischen Lage gilt noch immer“, so Geißler. Außerdem appellierte sie an alle Anwesenden: „In meiner Kraft als Hygienebeauftragte – wenn ich einen Patienten absauge, reicht ein normaler Mundschutz nicht. Tragt eine FFP2-Maske. Das dient immer dem Schutz beider Personen!“

Mareike Schubbel, Pandemiebeauftragte beim Zentrum für Beatmung und Intensivpflege (ZBI) in Berlin, berichtete von ihren letzten anderthalb Jahren und dem Umgang mit der Pandemie in ihrem Unternehmen. Im November 2020 habe das ZBI einen Quarantänebereich geschaffen. Das dortige Personal unterlag einer täglichen Testpflicht und einem ständigen Selbstmonitoring inklusive Fiebertagebüchern. Weiter referierte Schubbel von ausgeklügelten Besucher*innenkonzepten mit strenger Terminvergabe, Besucher*innenlisten, Covid-Tests für die Besucher*innen und den damit zusammenhängenden rechtlichen Umständen.

Telematik in Theorie und praktischer Umsetzung

Einer der thematischen Blöcke am ersten Veranstaltungstag war die Telematikinfrastruktur. „Das wesentliche Ziel der Telematik ist es, medizinische Informationen, die für die Behandlung von Patienten benötigt werden, schneller und einfacher verfügbar zu machen“, erklärte Markus Dikty von der opta data Gruppe in Essen zu Beginn seines Vortrags. Derzeit seien Vertragsärzt*innen, Zahnärzt*innen und Psychotherapeut*innen über sogenannte Konnektoren an die neue Technologie angeschlossen. Die Anbindung von Krankenhäusern und Apotheken laufe aktuell. Seit Juli 2021 könne sich auch die Pflege freiwillig an die Telematik anbinden lassen, so Dikty. Das sei bisher aber nur theoretisch möglich, die technischen Voraussetzungen seien noch nicht so flächendeckend umgesetzt, wie es notwendig wäre. Ab dem 1. Januar 2024 ist eine Anbindung für die Pflege Pflicht.

Telematik in der Praxis mit AirView™ für Beatmung von ResMed – Georg Hörich und Marc Eschmann, wissen, wie das funktioniert.

Georg Hörich und Marc Eschmann von der ResMed Akademie knüpften mit ihrem Vortrag zu AirView™ für Beatmung nahtlos an ihren Vorredner an. AirView ermöglicht das Auslesen von Beatmungs-Daten aus der Ferne. Alle 24 Stunden übertrage das System Informationen an ein Datencenter, von dem aus Behandelnde Ärzte oder Therapeuten die Werte auslesen könnten, so Hörich und Eschmann. Das ermögliche beispielsweise ein langfristiges Nachvollziehen von eventuellen Verschlechterungen oder Verbesserungen im Gesundheitszustand einzelner Patientinnen und Patienten. „Telemonitoring kann kein Fachpersonal ersetzen“, so Hörich. Es könne aber ein Baustein in der Bewertung von Situationen sein.

Krisensicherheit in der ambulanten Intensivversorgung

Dr. Yvonne Lehmann stellte an Tag zwei das Forschungsprojekt „Aufrechterhaltung ambulanter Pflegeinfrastrukturen in Krisensituationen“, kurz AUPIK, vor. In dem auf drei Jahre angelegten Projekt soll herausgefunden werden, was Pflegende und Rettungsdienst eigentlich über die Versorgung im Falle einer Katastrophe wissen und was möglicherweise benötigt wird. Erste Erhebungen zeigten, dass nur vereinzelt Kenntnisse über mögliche Verhaltensweisen im Krisenfall bestehen und besonders die Kommunikation mit Katastrophenschützer*innen mangelhaft sei. Das Projekt läuft noch bis März 2023 und hat unter anderem Empfehlungen an die Politik als Ziel.

Veranstalter zufrieden und mit Zuversicht für 2022

„Wir freuen riesig, dass wir den Pflegenden aus der außerklinischen Intensivpflege endlich wieder einen KAI Kongress in Präsenz bieten konnten, wenn auch im kleineren Rahmen“, sagt Häusliche Pflege-Chefredakteur Lukas Sander. „Wir sind zuversichtlich, dass wir uns im Jahr 2022 wieder zu einem großen KAI, wie wir ihn alle kennen, treffen können.“

Für alle, die nicht dabei sein konnten, steht eine Aufzeichnung aller Sessions in Saal 1 zur Verfügung. Buchung und alle Informationen unter kai-kongress.de/kongress.


Text & Fotos: Tim Walter

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