11. Oktober 2022

Pflegerat fordert echte Reformen und mehr Geld

Die Präsidentin des Deutschen Pflegerats, Christine Vogler (im Bild), dringt auf eine massive Aufwertung der Pflege. Wenn es nicht schnell zu tiefgreifenden Veränderungen komme, werde es in Zukunft nicht mehr für alle Pflegebedürftigen in Deutschland eine professionelle Versorgung geben, sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Pflegekräfte wollten mehr Befugnisse und bessere Arbeitsbedingungen, sie wollten über ihre eigene Arbeit bestimmen und mehr Verantwortung übernehmen. „Die Pflege muss weg aus der Ecke eines angeblichen Assistenzberufs“, sagte Vogler. „Vor allem aber brauchen wir mehr Personal.“ In den Kliniken fehlten Schätzungen zufolge rund 20.000 Pflegekräfte, in der ambulanten und stationären Altenpflege 65.000 bis 70.000. In der ambulanten Pflege sei der Mangel an Personal besonders prekär, erklärte Vogler: „Da ist dann einfach niemand mehr, der oder die zu einem Pflegebedürftigen nach Hause kommt.“

Rund 80 Prozent der insgesamt rund vier Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden zu Hause von Angehörigen, teils mithilfe ambulanter Dienste versorgt. Vogler sprach sich für einen Lohn für pflegende Angehörige aus, wie ihn auch der Sozialverband VdK fordert. „Wir müssen viele Wege gleichzeitig gehen, um die Pflege zu sichern“, sagte die 52-Jährige. Wo professionell Pflegende fehlten, sollten Angehörige unterstützt und auch bezahlt werden. Die Ampel-Koalition plant eine Lohnersatzleistung für pflegebedingte Auszeiten vom Beruf, analog zum Elterngeld.

Die Gesellschaft werde künftig mehr Geld für die Pflege ausgeben müssen, sagte die Pflegerats-Chefin. Sie glaube, dass Beitragserhöhungen dann von der Bevölkerung akzeptiert würden, wenn das Geld in eine gute Versorgung und nicht in die Taschen von Investoren fließe, die im deutschen Gesundheitssektor hohe Gewinne abschöpften. „Wenn schlechte Versorgung stattfindet, obwohl viel Geld ins System geht, entsteht Unmut“, sagte Vogler.


Foto: DPR

 

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