2. November 2022

Steinmeier erneuert Vorschlag für soziale Pflichtzeit

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat seine Forderung nach einer sozialen Pflichtzeit erneuert. „Ich wünsche mir, dass wir einen Weg finden, wie mehr Menschen sich – mindestens einmal im Leben – für einen gewissen Zeitraum den Sorgen ganz anderer, zuvor fremder Menschen widmen, für diese Menschen da sind“, sagte Steinmeier in einem Videogrußwort beim Festakt zum 60-jährigen Bestehen des Kuratoriums Deutsche Altershilfe in Berlin.

Die Gesellschaft müsse wieder enger zusammenrücken, „wir müssen Grenzen überwinden – auch gerade zwischen Jung und Alt“, argumentierte der Bundespräsident. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass die Gesellschaft in einzelne Teile zerfällt, die sich immer mehr voneinander abschotteten.

Steinmeier sagte in seinem Grußwort, er wolle sich kein Land vorstellen, in dem die alte Generation abgedrängt wird. „Es wäre ein Land ohne Wärme, ein Land ohne Erfahrung, ein Land ohne Gedächtnis – ein Land ohne Würde“, sagte er. Er forderte dazu auf, ältere Menschen vor Einsamkeit zu bewahren und für Verbesserungen in der Pflege zu sorgen. „Uns allen darf es nicht gleichgültig sein, wenn so viele Menschen, die in der Pflege arbeiten, erschöpft und ausgebrannt sind“, sagte er und ergänzte: „Wir müssen alles dafür tun, dass diese Berufe attraktiver werden und die Wertschätzung bekommen, die sie verdienen.“

Steinmeier hatte sich im Juni für die Einführung einer sozialen Pflichtzeit ausgesprochen, die bei der Bundeswehr oder in sozialen Diensten geleistet werden könnte. Der Bundespräsident erntete für den Vorstoß vor allem Widerspruch, darunter auch von Wohlfahrts- und Sozialverbänden. Die Bundesregierung äußerte sich ebenfalls zurückhaltend zu dem Vorschlag. (epd)


Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler

 

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