28. Januar 2022

Suprapubischer Katheter: korrekte Pflege und Hygiene

Bei einer Verweilzeit von mehr als fünf Tagen wird statt eines Katheters über die Harnröhre ein suprapubischer Katheter, also eine Punktion der Harnblase über die Bauchdecke, empfohlen. Auch wenn die normale Miktion aus der Harnblase über die Harnröhre erfolgt, so ist der Katheterismus über die Harnröhre (transurethral) komplikationsträchtig und mit zahlreichen Risiken verbunden. Deshalb wird bei einer längeren Verweilzeit als fünf Tage eine Punktion der Harnblase über die Bauchdecke (suprapubischer Katheter) empfohlen.

Da bei der suprapubischen Katheteranlage ein Durchgang über die Bauchdecke bis zu Blase besteht, muss ein Verbandwechsel und eine entsprechende Hygiene erfolgen. Doch welche Maßnahmen sind aktuell und werden empfohlen? Wie lange kann so eine spezielle Harndrainage liegen bleiben, bevor sie gewechselt werden muss? Suprapubisch bedeutet oberhalb des Schambeins (OS pubis). Der spezielle Katheter wird also oberhalb des Schambeins in die Harnblase gelegt. Der Urin wird direkt aus der Blase über den Katheter abgeleitet, so dass die Harnröhre stillgelegt wird. Klemmt man den suprapubischen Katheter ab, so hat der Patient die Möglichkeit, den Urin wieder über die Harnröhre auszuscheiden. Dies ist natürlich beim Blasendauerkatheter, der über die Harnröhre gelegt wird, nicht möglich.

Da die Harnröhre vom Katheter verschont bleibt, können keine Harnröhrenstrikturen auftreten – eine häufige Folge beim transurethralen Blasendauerkatheter. Der Tragekomfort für den Patienten ist deutlich höher, da transurethrale Katheter vor allem bei Männern (aufgrund der längeren Harnröhre) häufig ein Brennen auslösen kann, welches mitunter sogar zu Spastiken der Blase führen kann. Jedoch sind Infektionen bei beiden Katheterarten möglich. Beim Legen des suprapubischen Katheters kann es zu Verletzungen kommen: Darmperforation oder Blutungen. Im Rahmen von Bakterienvermehrungen kann ein Biofilm an der Einstichstelle entstehen, der resistent gegenüber vielen Therapeutika werden kann.

Suprapubische Katheter werden grundsätzlich in zwei Ausführungen angeboten:

  • Ein-Weg-Katheter (nicht zu verwechseln mit Einmal): Sie sind aus PVC oder Polyurethan und bestehen aus einem Schlauch. Damit der Katheter nicht aus der Blase herausrutscht, muss er an der Bauchdecke festgenäht werden. Diese Art wird heute meist nur bei kurzzeitiger Katheterisierung eingesetzt.
  • Zwei-Wege-Katheter: Neben dem ableitenden Schlauch hat diese Art einen zweiten dünnen Schlauch, der in einen Ballon mündet. Dieser Ballon kann über diesen Weg geblockt werden, damit ist eine Naht nicht mehr notwendig.

Suprapubische Katheter dürfen nicht gelegt werden:

  • Bei Tumoren im Unterbauch (Blasentumoren)
  • Bei Inkontinenz macht der Katheter keinen Sinn, da die Harnröhrenmündung tiefer liegt als die Bauchdecke und somit der Urin weiterhin über die Harnröhre unkontrolliert abläuft
  • Bei Blutgerinnungsstörungen (wegen der Blutungsgefahr)
  • Bei Hauterkrankungen im Punktionsbereich (muss im Einzelfall entschieden werden)
  • Bei Schwangeren
  • Bei ausgeprägter Adipositas.

Hygiene

Die Anlage eines suprapubischen Katheters erfolgt nur durch den Arzt. Die Industrie bietet fertige Punktion-
sets an, die alle notwendigen Utensilien enthalten. Die Punktion sollte wie eine Operation unter sterilen Bedingungen durchgeführt werden. Wichtig ist, dass die Harnblase bei der Punktion ausreichend gefüllt ist, weil ansonsten die Punktion der Blase nicht möglich ist. Der Patient soll also nicht vor der Punktion zur Toilette gehen.

Die Leitlinie der Fachgesellschaft für Urologie fordert, dass die Ableitungssysteme geschlossen sein müssen. Ein Abknicken des Katheters muss verhindert werden. Der Urinauffangbeutel muss immer unter dem Blasenniveau sein, um einen Rücklauf zu vermeiden. Beim Verbandwechsel müssen Handschuhe getragen werden, nach hygienischer Händedesinfektion. Bei jeglicher Manipulation der Einstichstelle oder des Katheters müssen sterile Handschuhe getragen werden. Die Einstichstelle wird kon-
trolliert und mit einem alkoholhaltigen Desinfektionsmittel desinfiziert. Die Umgebung wird mit einem sterilen Tupfer gereinigt. Dabei sollte die Wischrichtung von der Einstichstelle wegführen. Anschließend wird ein steriler Tupfer aufgelegt und fixiert. Der Katheter selber wird mit Pflaster zusätzlich auf der Bachdecke fixiert, dabei beachten, dass dieser nicht abgeknickt ist. Keine Salben verwenden! Bei durchnässtem oder beschmutzten Verband muss dieser erneuert werden. Der Katheter kann bis zu drei Monaten liegen bleiben. Zum Wechseln bietet die Industrie Wechselsets an. Das Wechseln muss ebenfalls vom Arzt vorgenommen werden.

Komplikationen

  • Möglichst rasch sollte der Arzt gerufen werden, wenn folgende Symptome auftreten:
  • Trüber oder übelriechender Urin
  • Fieber unklarer Ursache
  • Schmerzen oder Blutungen im Unterbauch
  • Urin fließt gar nicht mehr ab oder sehr wenig.

Dieser Artikel ist zuerst in der Häusliche Pflege-Beilage „Ambulante Pflegepraxis“ erschienen. Alle Informationen zur Zeitschrift unter: www.haeusliche-pflege.net 

Gerhard Schröder

Gerhard Schröder

Lehrer für Pflegeberufe, PDL, Leiter der Akademie für Wundversorgung, info@akademie-fuer-wundversorgung.de

Aufmacherfoto: Adobe Stock/shidlovski

Autorenfoto: Tim Walter

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